Frage: Ich habe einen zwölfjährigen Schüler in meiner Klasse. Er wird, so vermute ich, geschlagen. Seine Mitschüler haben mir davon erzählt. Wie gehe ich jetzt am besten vor um dem Kind zu helfen?


Antwort: Wenn möglich von den Schülern ganz diskret noch mehr Informationen einholen. Etwa: Wann hat er das erste Mal davon erzählt, wie läuft das Schlagen ab, mit Gegenständen oder so, wer schlägt, wie oft und wie hart wird geschlagen und warum wird geschlagen? Jetzt noch nicht mit dem betroffenen Schüler reden. Sonst kann der Fall aus dem "Ruder" laufen, oder die Familie wechselt den Kanton oder den Schulort. Nie alleine etwas unternehmen. Sonst startet (von der Familie) gegen den Melder ein Mobbing. Nicht selten widerruft dann der Schüler seine Aussagen.

Sind genügend Infos gesammelt, das Lehrkollegium unterrichten und das weitere Vorgehen mit ihm besprechen. Anschliessend einen ausführlichen Verdachtsbericht erstellen und wen möglich diesen vom Lehrkollegium mitunterzeichenen lassen. Durch die Solidarisierung des Lehrerkollegiums mit dem Erstmelder wird er von einer möglichen Sündenbockrolle, die in solchen Fällen oft zu spielen beginnt, verschont.

Jetzt die Schulbehörde informieren und eine Kindschutzmassnahme verlangen. Hat sich die Schulbehörde zum Fall erklärt und das Lehrerkollegium über das weitere Vorgehen informiert, ist der betroffene Schüler behutsam über die Kindesschutzmassnahme zu informieren. Nun muss der Schüler wöchentlich, für die Dauer eines Monats, zu seinem Fall befragt werden. Es genügt nicht dem Schüler zu sagen, "komm zu mir wenn du ein Problem hast". Bei der Befragung nie seine Eltern kritisieren oder den Fall bewerten. Engagiert für den Schüler sein, dabei aber neutral bleiben. Nach einem Monat alle 14 Tage und zwei Monate lang befragen. Anschliessend einmal im Monat und das über 3 Monate. Erst nach 6 Monaten, dem Schüler das kommen zur Beratung freistellen. Wird der Schüler während der laufenden Kindschutzmassnahme fremdplatziert und er tritt aus der Schule aus, erübrigt sich die Befragung natürlich.

Die Schulbehörde sollte nun ihre Schulaufsicht informieren. Weiter muss sie bei der Fürsorge vorstellig werden und eine Kindschutzmassnahme verlangen. Je nach Schwere des Verdachts muss die Fürsorge den Kinderpsychiatrischen Dienst und das Kinderschutzteam ihres Kantonspital involvieren.

● Sorgentelefon für Kinder ● 0800 55 42 10 ● www.sorgentelefon.ch ●