SelbstverletzungDefinition: Es gibt die heimliche, gesellschaftlich eher akzeptierte Form der Selbstverletzung. Dazu zählen zum Beispiel extreme Formen des Bodybuildings und Extremsportarten. Oder Schönheitsoperationen bei ganz "normalen" Menschen. Es ist eine starke Kontrolle körperlicher und seelischer Gefühle, strenge Selbsterziehung, Selbstkontrolle und Selbstbestrafung. Sie wird eingesetzt, um Struktur in ein seelisches und soziales Chaos zu bringen.

Oft dient sie der Stärkung des Ichs und der zwischenmenschlichen Bande. Sie kann auch bewirken, dass der Betroffene in die Gemeinschaft aufgenommen wird (Aufnahmeritual).

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Die Grenzen zwischen alltäglichen, gesellschaftlich "akzeptierten" Formen der Selbstverletzungen und den krankhaften Formen sind fliessend.

Krankhafte Formen: Die "offene" Selbstverletzung. Unter einer "offenen" Selbstverletzung versteht man eine Erkrankung, bei der sich Betroffene wiederholt selbst verletzen. Die leichten Formen der offenen Selbstverletzung sind meist oberflächliche Hautverletzungen. Tiefere, teils schwerwiegende Hautverletzungen, die gelegentlich chirurgisch versorgt werden müssen, kennzeichnen die schwere Form der offenen Selbstverletzung.

Die "heimliche" Selbstverletzung. Unter einer heimlichen Selbstverletzung versteht man Krankheitssymptome, die vorgetäuscht oder willentlich hervorgerufen werden. Es können Krankheitssymptome sein, die alle Körperteile und Körperorgane betreffen, vorgetäuscht und künstlich erzeugt werden. Z. B. schwere Stoffwechselentgleisungen, Blutverluste, Blutvergiftungen. In 80 Prozent aller Fälle sind Frauen betroffen.

Die "Sonderform" der heimlichen Selbstverletzung. Das Münchhausen-Syndrom stellt eine Sonderform der heimlichen Selbstbeschädigung dar. Mütter täuschen an ihren Kindern Krankheiten vor. Die Kinder tragen neben körperlichen Beschwerden schwere seelische Störungen davon. Männer erzeugen zum Teil schwere Krankheitssymptome. Sie betreiben oft das sogenannte  Pseudologgia phantastica. Das ist der Zwang, erfundene, phantastische Geschichten zu erzählen. Auch Kinder und Jugendliche erzeugen zum Teil schwere Krankheitssymptome. Sie können von einer Minute auf die andere einen schweren Fieberschub erzeugen oder bewusstlos werden und die Atmung stoppen.

Zwischenmenschliche Beziehungen: Selbstverletzendes Verhalten löst bei den Angehörigen, Freunden und Partnern der Betroffenen vielfältige Reaktionen und Gefühle aus – besonders Gefühle von Angst, Schuld, Hilflosigkeit, Wut und manchmal auch Ekel. Damit verbundene Bestrafungs- und Ausstossungsbestrebungen kommen unbewussten Selbstbestrafungstendenzen, die ein wichtiges unbewusstes Motiv der Selbstverletzung darstellen, entgegen.

Ursachen: Aus tierexperimentellen Untersuchungen ist bekannt, dass Tiere, wenn sie in einem Klima der Deprivation (emotionaler Vernachlässigung) aufgezogen werden, selbstverletzendes Verhalten entwickeln. Auch körperliche und sexuelle Misshandlungen provozieren ein selbstverletzendes Verhalten.

Therapie: Psychoanalytische Behandlung. Das Ziel der Therapie ist, das Handeln in Sprache zu übersetzen, eigene Bedürfnisse und Gefühle sprachlich ausdrücken zu lernen und entsprechend ausleben zu können.

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